'Niemand kennt mein Business so gut wie ich' – Warum dieser 1 Gedanke dich dennoch im Kreis drehen lässt
- Conny Jost
- 2 days ago
- 5 min read

"Niemand kennt mein Business so gut wie ich." Diesen Satz habe ich schon oft gehört. Von Kunden, von Kollegen, von mir selbst. Und er klingt absolut logisch. Du hast dein Business aufgebaut, jeden Prozess entwickelt, jede Kundengeschichte erlebt. Wer sollte also besser wissen, wo es hakt?
Genau hier liegt die Falle. Dieser eine Gedanke, so einleuchtend er klingt, ist oft der Grund, warum sich Solo-Unternehmer Monate oder sogar Jahre im Kreis drehen. Sie arbeiten hart, probieren vieles aus und kommen trotzdem nicht vom Fleck. Das Problem war nie der fehlende Einsatz. Das Problem war, dass sie an den falschen Hebeln gedreht haben.
In diesem Artikel zeige ich dir, warum das so ist und warum es nichts mit mangelnder Intelligenz zu tun hat.
Der Mythos: Wer kennt es besser als du?
Lass uns den Gedanken erst einmal ernst nehmen. Du hast dein Business von Grund auf aufgebaut. Du kennst jeden Winkel, jede Stellschraube und jede Kundenreaktion. Du weißt, welche Angebote gut ankommen und welche nicht. Du erinnerst dich an jeden Fehler, den du gemacht hast.
Die logische Schlussfolgerung: Wenn jemand erkennen kann, was in deinem Business nicht funktioniert, dann du. Richtig?

Teilweise ja. Du kennst die Details deines Business besser als jeder andere. Das ist ein echtes Asset. Und gleichzeitig ist genau dieses tiefe Wissen der Grund, warum du bestimmte Dinge nicht siehst. Lass es mich erklären.
Warum dieser Mythos so hartnäckig ist
Dieser Gedanke 'Niemand kennt mein Business so gut wie ich' fühlt sich einfach richtig an. Und er wird ständig bestätigt: Du löst täglich Probleme in deinem Business. Du triffst Entscheidungen. Du siehst Ergebnisse. Das verstärkt den Glauben, dass du den vollen Überblick hast.
Hier kommt die Effizienz-Falle ins Spiel. Die funktioniert so: Du merkst, dass etwas nicht läuft. Also machst du mehr. Mehr Content. Mehr Sichtbarkeit. Mehr Angebote. Mehr, mehr, mehr. Und das Problem? Du wirst immer effizienter darin, die falschen Dinge zu tun (Mehr dazu in diesem Artikel).

Du optimierst Prozesse, die gar nicht das eigentliche Problem sind. Du investierst Energie in Bereiche, die bereits gut funktionieren. Und der echte Engpass? Der bleibt unsichtbar.
Die unbequeme Wahrheit: Nähe erzeugt blinde Flecken
Hier ist der Kern des Problems: Du bist Teil des Systems. Du steckst mittendrin. Und das erzeugt automatisch blinde Flecken.
Den echten Engpass sieht man meistens selbst nicht. Nicht, weil man dumm ist oder sich nicht genug anstrengt. Sondern, weil man zu nah dran ist.
Es ist wie beim Autofahren: Den toten Winkel kannst du nicht sehen, egal, wie sehr du dich anstrengst. Dafür brauchst du einen Außenspiegel oder jemanden, der von außen draufschaut.

Machen wir noch ein Beispiel: Der Fisch sieht den See nicht, in dem er schwimmt. Du siehst dein Business nicht so, wie es ein Außenstehender sieht. Das ist keine Schwäche. Das ist schlicht menschlich.
Dein Gehirn spielt dir Streiche
Es kommt noch etwas dazu: Unser Gehirn ist darauf programmiert, Muster zu erkennen, auch wenn sie nicht da sind. Das führt zu typischen Denkfallen, die uns alle betreffen.
Der Bestätigungsfehler sorgt dafür, dass du nur Beweise für das siehst, was du bereits glaubst. Du denkst, dein Problem ist Marketing? Dann wirst du überall Marketing-Probleme entdecken. Die anderen Bereiche rutschen aus dem Fokus.
Die Verfügbarkeitsheuristik macht das, was gerade passiert ist, zum scheinbaren Hauptproblem. Letzte Woche ein schlechtes Verkaufsgespräch gehabt? Zack "Mein Problem ist Sales!" Dabei war es vielleicht nur ein Ausreißer.
Und dann gibt es die Sunk Cost Fehleinschätzung: "Ich hab so viel Zeit in mein Angebot gesteckt, das kann nicht das Problem sein!" Du hältst an Dingen fest, in die du bereits investiert hast, selbst wenn sie dich bremsen.

Versteh mich richtig, Sunk Costs sind etwas sehr Valides und kommen in jedem Business vor. Du hast sechs Monate in die Entwicklung deines Signature-Programms investiert, ein professionelles Workbook erstellt und vielleicht sogar eine Plattform dafür aufgebaut. Das ist echte Arbeit, echter Wert. Die Frage ist nur: Hindert dich diese Investition daran, ehrlich hinzuschauen, ob das Programm in seiner jetzigen Form wirklich das löst, was deine Zielgruppe braucht? Sunk Costs werden erst dann zur Falle, wenn sie dich daran hindern, notwendige Anpassungen zu sehen.
Diese Mechanismen, Bestätigungsfehler, Verfügbarkeitsheuristik und Sunk Cost Fehleinschätzungen, laufen unbewusst ab. Sie zu kennen hilft, sie komplett auszuschalten ist dennoch fast unmöglich.
Unsere eigene Lektion
Ich erzähle dir eine kurze Story aus unserem eigenen Business, weil ich glaube, dass sie das Thema greifbar macht.
Als Sandor und ich OverTheMaze aufgebaut haben, waren wir nach kurzer Zeit überzeugt: Unser Problem ist die Sichtbarkeit. Also haben wir Content produziert, sind zu jedem Networking-Event gegangen, haben an allem geschraubt.
Unser damaliges Purpose-Angebot für Business-Starter fanden alle in unserer Umgebung "immens wertvoll". Unsere Bubble bestätigte uns … der Markt leider nicht.
Bis uns ein Mentor von außen sagte: "Leute, euer Purpose-Angebot ist super, ihr löst jedoch nur ein Nice-to-have Problem eurer Zielgruppe." Business-Starter hatten andere, dringendere Probleme als ihren Purpose zu finden.

Wir waren zu sehr in unserer eigenen Bubble. Hätten wir es irgendwann selbst herausgefunden? Sicherlich, doch dieser eine Blick von außen hat uns aus unserer Erfahrung drei Monate Zeit erspart. Drei Monate, die wir viel wertvoller nutzen konnten.
Was "mein Business am besten kennen" wirklich bedeutet
Lass mich den Mythos nicht komplett zerstören, sondern richtig einordnen. Beides ist wahr:
Du kennst die Details deines Business am besten. Niemand sonst weiß, wie deine Kunden ticken, welche Prozesse funktionieren, welche Geschichte hinter deinem Angebot steckt.
Und: Den Engpass siehst du oft nicht, gerade weil du so nah dran bist.
Das ist kein Widerspruch. Das ist einfach die Realität. Dein Detailwissen ist wertvoll, es ersetzt nur nicht den Blick von außen.

Deshalb vermuten viele den Engpass an einer Stelle … und der echte Engpass sitzt ganz woanders. Sie arbeiten an ihrem Marketing, während das Angebot unklar ist. Sie überarbeiten ihr Angebot, während die Zielgruppe nicht stimmt. Sie optimieren ihre Website, während der Sales-Prozess hakt.
Dein nächster Schritt: Den blinden Fleck aufdecken
Du kannst trotzdem herausfinden, wo es bei dir wirklich hakt. Nicht durch noch mehr Nachdenken im stillen Kämmerlein. Sondern durch einen strukturierten Check, der alle relevanten Bereiche deines Business beleuchtet.
Im nächsten Artikel (wird am 29.01 veröffentlicht) zeige ich dir den 360° Blitz-Check, eine Methode, mit der du in kurzer Zeit eine fundierte Hypothese über deinen wahrscheinlichsten Engpass entwickelst. Keine vagen Vermutungen mehr, sondern ein klarer Ausgangspunkt.
Denn eines ist sicher: Solange du nicht weißt, wo der Schuh wirklich drückt, ist jeder "nächste Schritt" ein Schritt ins Unbekannte.













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