Die Lichtung, die auf 'Warum eigentlich nicht?' wartete
- Conny Jost
- 6 days ago
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Updated: 6 days ago

Funkenschweif, das quirlige Eichhörnchen, rannte so schnell ihre kleinen Pfoten sie trugen. Die Eule Glitzerfeder hörte sie schon von weitem, bevor sie keuchend durch den Eingang ihrer gemeinsamen Baumhöhle purzelte.
„Du… Du, wirst nicht glauben, doch ich glaube ich hab’ was gefunden!"
Glitzerfeder legte seine Feder, mit der er gerade in ihr Auftragsbuch, den neuen Kunden einschrieb, beiseite.
Ganz kurz für dich, wenn du die beiden noch nicht kennst. Gemeinsam betreiben sie seit vier Jahren ‘Jahresringe Consulting’, eine kleine Beratung für Waldhandwerker, die Hilfe bei ihrem Business suchen. Glitzerfeder ist der Stratege mit viel Umsetzungserfahrung und Funkenschweif ist die immens fröhliche Projektliebhaberin und starke Macherin. Zusammen halfen sie bereits Bären, Spechten und Luchsen, ihr Handwerk zum Florieren zu bringen. Doch wieder zurück in den Wirtschaftswald zu den beiden:
„Zeig mir," sagte Glitzerfeder und breitete seine Flügel aus, doch Funkenschweif intervenierte:
“Das geht nicht einfach so! Du musst mitkommen”.
Eine halbe Stunde später standen sie am Rand einer Lichtung, die Funkenschweif beim Sammeln von neuen Wintervorräten entdeckt hatte. Sonnenstrahlen fielen durch die Baumkronen. Ein kleiner Bach plätscherte über moosbedeckte und teils vereiste Steine. Der Boden war trotz des Frostes noch weich und einladend.
„Das hier", flüsterte Funkenschweif, „wäre perfekt für unsere Workshops. Kein Gedränge wie am Marktplatz. Keine Ablenkung. Nur Ruhe und Klarheit."
Glitzerfeder nickte langsam. „Es ist wunderschön. Doch warum kennt niemand diesen Ort?"
Funkenschweifs Schwanz zuckte nervös hin und her. „Das habe ich mich auch gefragt. Wenn die Lichtung so perfekt ist … warum hat sie noch niemand für sich beansprucht?"
„Der Weg hierher war ja auch nicht gerade einfach," gab Glitzerfeder zu bedenken. „Der steile Hang. Das Gestrüpp. Die dunkle Schlucht."
“Stimmt." Funkenschweif setzte sich. „Vielleicht gibt es einen Grund, den wir nicht kennen."
Die beiden blickten zurück auf den Pfad, den sie gekommen waren. Von hier oben sah alles so harmlos aus. Doch auf dem Hinweg hatte sich das ganz anders angefühlt. Die beiden gingen ihren Weg nochmals durch.

„Erinnerst du dich an den Hang?", fragte Glitzerfeder. „Ich wollte schon einfach drüberfliegen und dich mitnehmen”. “Oh ja, doch du weißt, wie ich diese Flugstunden überhaupt nicht mag" entgegnete Funkenschweif.
„Er sah immens mühsam aus. Viel zu steil." Funkenschweif schüttelte den Kopf. „Und dann hast du gesagt: Okay, dann machen wir einen Schritt, nach dem anderen.”
„Und dann den nächsten. Und wieder einen" bestätigte Glitzerfeder. Und Funkenschweif bestätigte „Der Hang war gar nicht so steil, wie er aussah."
Glitzerfeder lachte leise. „Das Gestrüpp auch nicht. Du hast den Pfad gefunden, obwohl ich schon überzeugt war, wir müssten durch das ganze Dickicht mit dir laufen."

„Und die Schlucht …" Funkenschweif schauderte bei der Erinnerung. Die Schatten hatten so bedrohlich gewirkt, dass sie schon fast sicher war, dass das der Grund ist, warum nie jemand hier lang geht.
„Und dann sind wir langsam hinabgestiegen. Dein Seil, Funkenschweif, war dabei für dich sehr hilfreich." Da sprudelte es aus Funkenschweif gleich nur so raus: „Ja, und sie war gar ja dann auch gar nicht soooo tief. Am Boden war sogar ein sehr alter Trampelpfad."

Stille breitete sich zwischen ihnen aus. Der Bach plätscherte leise. Ein Eichelhäher fliegte in der Ferne über einen Ast.
„Die anderen Waldbewohner", sagte Glitzerfeder schließlich, „haben wahrscheinlich dasselbe gedacht wie wir. Der Hang sieht zu steil aus. Das Gestrüpp ist zu dicht. Die Schlucht zu dunkel."
„Und deswegen hat es nie jemand versucht. Doch wir haben’s gemacht!" sagte Funkenschweif voller stolz.
„Jeder wartete darauf, dass ein anderer den ersten Schritt macht." Glitzerfeder legte eine Schwinge auf Funkenschweifs Schulter. „Die Lichtung blieb leer. Nicht weil der Weg unmöglich war, sondern weil alle annahmen, er wäre es."
Funkenschweif stand auf und drehte sich einmal um die eigene Achse. Die Aussicht von hier oben war atemberaubend. Der ganze Wirtschaftswald lag vor ihnen, der Marktplatz und auch der Silbersee war zu sehen.
„Das hier wird unser Klarheits-Ort", sagte sie ganz bestimmt. „Für besondere Workshops. Für die Waldhandwerker, die wirklich tief in ihr Business schauen wollen."

„Ein Angebot, das wir schon lange machen wollten", nickte Glitzerfeder. „Aber nie gewagt haben."
„Weil es sich zu groß anfühlte. Zu weit weg vom Bekannten." bestätigte Funkenschweif. „Wie der Weg hierher."
Sie grinste. „Und der war am Ende auch machbar. Schritt für Schritt."
Sie machten sich auf den Rückweg. Diesmal kannten sie den Pfad. Diesmal wussten sie, dass der Hang machbar war, das Gestrüpp einen Durchgang hatte, die Schlucht gar nicht so tief war.
„Wir sollten Hinweisschilder aufstellen", sagte Funkenschweif plötzlich. „Für die anderen. Damit sie wissen, dass der Weg existiert."
„Kleine Zeichen, die Mut machen", stimmte Glitzerfeder zu. „Nicht den Weg abnehmen, aber zeigen: Jemand ist hier schon durchgekommen."
Bei der Schlucht angekommen, blieb Funkenschweif stehen und blickte zurück zur Lichtung, die im Abendlicht golden schimmerte.
„Der mutigste Schritt ist der erste", sagte sie leise. „Danach wird jeder weitere leichter."
Glitzerfeder nickte. „Wenn wir wieder mal denken, das geht nicht, sagen wir uns einfach WARUM EIGENTLICH NICHT?"
Und gemeinsam machten sie sich auf den Heimweg, die Köpfe voller Pläne für ihren neuen Klarheits-Ort. Einen Ort, der die ganze Zeit auf sie gewartet hatte, hinter Hindernissen, die eigentlich kleiner waren, als sie es sich vorgestellt hatten.

Funkenschweif und Glitzerfeder sind die Gründer von Jahresringe Consulting – einer Beratung im Wirtschaftswald, die Handwerkern hilft, ihr Business mit den natürlichen Rhythmen in Einklang zu bringen.
P.S.: Die Idee zu dieser Geschichte beruht auf einer eigenen Erfahrung von mir und Sandor. Wenn dich diese kurze Story interessiert, dann lies in unserem Artikel “Warum eigentlich nicht?" – Was wir unserem früheren Ich über Mut zur Nische sagen würden” gerne weiter 🤩.










Ach, das ist ja eine süße Idee mit Funkenschweif und Glitzerfeder. Und ja, ich glaube, es ist genau das. Vorangehen, drüber reden, vormachen, begleiten. Das macht die Wege so viel leichter - und manchmal erst sichtbar. Schön, dass du gestern mitgeschrieben hast. Du bist jederzeit gern wieder gesehen! Liebe Grüße Anna